Ethics Lab Eröffnungswoche 2019

Nach fünf Ausgaben des Yaoundé-Seminars (2012-2018) nehmen unsere Bemühungen, die akademische Ungleichheit zwischen westlichen und afrikanischen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern zu verringern sowie eine afrikanische Plattform für politische Theorie zu schaffen, endlich konkrete institutionelle Formen an.

Zur Verfolgung dieser Ziele wird in dieser Woche das Ethics and Public Policy Laboratory (EthicsLab) ins Leben gerufen, ein Forschungszentrum und Think-Tank an der Katholischen Universität von Zentralafrika in Jaunde.

Es war ein langer und aufregender Weg, der am Hoover-Lehrstuhl der Katholischen Universität Löwen begann, wo die Yaoundé-Seminare von einer Gruppe junger Doktorierenden ins Leben gerufen wurden. Das Institut für Wirtschaftsethik der Universität St.Gallen spielte eine Schlüsselrolle beim Übergang von den
Yaoundé-Seminaren zur Gründung des EthicsLab. Das Tüpfelchen auf dem i war die unermüdliche Unterstützung des Edmond J. Safra Center for Ethics an der Harvard University, das uns half, die Ziellinie zu überqueren. Dass wir heute hier sind, verdanken wir (unter anderen) diesen Institutionen sowie den
Menschen dahinter.

Um die institutionelle Geburt des EthicsLab zu feiern, ist diese Auftaktveranstaltung um drei Hauptaktivitäten herum organisiert:

  1. der Berggruen-Workshop mit öffentlichen Vorträgen und neuen Forschungsergebnissen der drei Berggruen-Stipendiaten von Harvard sowie Kommentaren von neun jungen afrikanischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern;
  2. eine internationale Konferenz mit fünf Hauptvorträgen und zehn parallelen Roundtables und
  3. Panels zum Aufbau eines institutionell starken EthicsLab.

Das EthicsLab ist eine neuartige Einrichtung, die akademische und öffentliche Debatten über drängende ethische und politische Fragen in der Subregion Zentralafrika verankern soll. Das EthicsLab will ein Zentrum der Exzellenz sein, das qualitativ hochwertige Forschung im Bereich der grundlegenden und angewandten Ethik anbietet. Es wird auf den philosophischen Traditionen Kameruns und anderer afrikanischer Länder aufbauen, um seine wissenschaftliche Agenda frei von politischem Druck festzulegen. EthicsLab wird dabei afrikanischen Perspektiven auf moralische und politische Theorien eine Stimme geben, die in philosophischen Debatten stark vermisst werden. Unser Ziel ist es, die politische und akademische Handlungsfähigkeit afrikanischer Gesellschaften wiederzubeleben, die in der Vergangenheit durch Sklaverei, Kolonialismus und Neokolonialismus sowie heute durch neoliberale Proklamationen der internationalen Hilfe und einige Formen des politischen Liberalismus untergraben wurde. Wir erreichen dies, indem wir eine neue Generation junger, hochqualifizierter afrikanischer politischer Theoretikerinnen und Theoretiker sowie Ethikerinnen und Ethiker unterstützen und ausbilden, die bereit sind, sich den zahlreichen Herausforderungen der zentralafrikanischen Subregion und Afrikas im weiteren Sinne zu widmen. Unsere wissenschaftliche Agenda wird sich auf fünf Säulen konzentrieren: Ethik und Gesundheit, Ethik und Bildung, Ethik und Umwelt, Ethik, Unternehmen und Wirtschaft sowie Ethik und Politik.

EthicsLab ist eine neue Plattform, die uns allen gehört und zu dem wird, was wir aus ihr machen. Lassen Sie uns die Vorteile seiner Existenz nutzen. Wir sollten uns nicht (nur) fragen, was andere (reiche) Länder für uns tun können, sondern was wir selbst für unsere Subregion und unseren Kontinent tun können. Es sollte uns mit Stolz erfüllen, dass Kamerun - bekannt als "Afrika en miniature" - bei dieser Initiative die Führung übernimmt, in der Hoffnung, dass andere Länder des Kontinents folgen werden.

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